Gitarrentuning – Tipps für ein gut eingestelltes Instrument

Schneller, breiter oder tiefer können wir eine Gitarre nicht machen – aber mit einer guten Einstellung lässt sich oft erstaunlich viel verbessern. Eine sauber eingestellte Gitarre spielt sich angenehmer, hält ihre Stimmung besser und kann ihr klangliches Potenzial wesentlich besser entfalten.

Zu den wichtigsten Punkten gehören die Kontrolle der Halskrümmung, die richtige Saitenlage, die Höhe der Saiten am Sattel und der Zustand beziehungsweise die Auswahl der Saiten. Diese Einstellungen beeinflussen sich gegenseitig und sollten deshalb immer als Gesamtsystem betrachtet werden.

Gitarrentuning – die richtige Einstellung für Spielbarkeit und Klang
Gitarrentuning – Kontrolle und Einstellung einer Gitarre

Was bedeutet „Gitarrentuning“?

Mit „Tuning“ ist bei einer Gitarre nicht nur das Stimmen der Saiten gemeint. Im weiteren Sinn bezeichnet man damit auch die Einstellung und Optimierung des Instruments. Dazu gehören beispielsweise die Halskrümmung, die Saitenlage, die Sattelhöhe, die Einstellung der Brücke beziehungsweise Stegeinlage und – bei E-Gitarren – die korrekte Einstellung der Intonation und gegebenenfalls der Tonabnehmerhöhe.

Ziel ist immer ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Spielkomfort, sauberem Klang, möglichst geringer Schnarrneigung und zuverlässiger Stimmung.

Wichtig:

Es gibt nicht die eine perfekte Einstellung für jede Gitarre. Ein Spieler mit kräftigem Anschlag benötigt möglicherweise eine andere Saitenlage als jemand, der sehr leicht spielt. Auch Instrumententyp, Mensur, Saitenstärke, Stimmung und Bauweise beeinflussen die optimale Einstellung.

Hals kontrollieren

Gerade – oder doch lieber mit leichter Krümmung?

Bei vielen Gitarren befindet sich im Hals ein verstellbarer Halsstab, häufig als Truss Rod bezeichnet. Er dient dazu, die Kräfte der Saiten auszugleichen und die Halskrümmung innerhalb des vom Instrument vorgesehenen Bereichs einzustellen.

Allerdings besitzt nicht jede Gitarre einen solchen Halsstab. Bei klassischen Gitarren ist er beispielsweise nicht grundsätzlich vorhanden, und auch bei anderen Instrumenten gibt es Konstruktionen ohne verstellbaren Halsstab.

Ein Hals sollte im Normalfall nicht völlig „kerzengerade“ eingestellt sein. Unter Saitenzug ist eine leichte konkave Krümmung – also eine geringe Halsentlastung – bei vielen Gitarren konstruktiv vorgesehen. Dadurch erhält die schwingende Saite genügend Platz, um über dem Griffbrett frei auszuschwingen.

Von der Seite betrachtet liegt die Mitte des Halses dabei geringfügig niedriger als die gedachte gerade Linie zwischen den beiden Bezugspunkten. Entscheidend ist nicht, dass der Hals optisch vollkommen gerade aussieht, sondern dass die Krümmung zum Instrument, zur Saitenstärke und zur Spielweise passt.

Was passiert bei zu viel oder zu wenig Halskrümmung?

Zu starke Krümmung

Ist der Hals zu stark konkav gekrümmt, vergrößert sich die Saitenlage vor allem im mittleren Bereich des Griffbretts. Die Gitarre kann sich dadurch schwerer greifen lassen und hohe Lagen können sich weniger angenehm spielen.

Zu wenig Krümmung

Ist der Hals nahezu gerade oder sogar nach hinten gekrümmt, kann der Abstand zwischen Saite und Bundstäbchen an bestimmten Stellen zu klein werden. Besonders bei kräftigem Anschlag können die Saiten dann an den Bundstäbchen anschlagen und schnarren.

Die richtige Balance

Die optimale Einstellung liegt nicht bei einem universellen Millimeterwert. Sie muss zum Instrument, zur Saitenstärke, zur Stimmung und vor allem zur Spielweise des Gitarristen passen.

So lässt sich die Halskrümmung kontrollieren

Eine einfache Kontrolle kann man ohne Spezialwerkzeug durchführen. Dabei wird eine Saite gleichzeitig an zwei Punkten als gerade Referenzlinie benutzt. Eine häufig verwendete Methode ist, die Saite am ersten Bund und weiter oben am Hals – beispielsweise am letzten Bund oder am Übergang zum Korpus – niederzudrücken und den Abstand der Saite zu einem mittleren Bund zu prüfen.

Bei vielen Instrumenten liegt dieser Abstand im Bereich von etwa 0,2 bis 0,5 mm. Das ist jedoch lediglich eine Orientierung. Die vom Gitarrenhersteller vorgegebenen Werte haben Vorrang, da unterschiedliche Konstruktionen unterschiedliche Sollwerte besitzen.

Ein sehr kleiner Abstand bedeutet nicht automatisch, dass der Hals falsch eingestellt ist. Ebenso bedeutet ein größerer Abstand nicht automatisch, dass eine Korrektur notwendig ist. Entscheidend ist, wie sich das Instrument tatsächlich spielen lässt und ob unerwünschtes Schnarren oder eine unnötig hohe Saitenlage auftritt.

Vorsicht beim Verstellen des Halsstabes!

Der Halsstab ist kein allgemeiner „Schnarrregler“. Eine falsche Einstellung oder zu große Kraft kann das Instrument beschädigen. Wenn nicht eindeutig bekannt ist, welcher Halsstab verbaut ist, welches Werkzeug benötigt wird oder welche Herstellerwerte gelten, sollte die Einstellung einem Fachmann überlassen werden.

Saitenlage einstellen

Wichtig für Bespielbarkeit und Klangreinheit

Als Saitenlage bezeichnet man den Abstand zwischen der Saite und dem Bundstäbchen beziehungsweise dem Griffbrett. In der Praxis wird die Saitenlage häufig am 12. Bund gemessen – und zwar vom oberen Rand des Bundstäbchens bis zur Unterseite der Saite.

Eine zu niedrige Saitenlage kann zu Schnarren führen, insbesondere bei kräftigem Anschlag oder ungünstiger Halskrümmung. Eine zu hohe Saitenlage erhöht dagegen die notwendige Greifkraft und kann das Spielen besonders in den höheren Lagen unnötig erschweren.

Die folgenden Werte sind lediglich Orientierungsbereiche und keine universellen Werksvorgaben. Das kleinere Maß gilt jeweils für die hohe Saite, das größere für die tiefe Saite.

Richtwerte für die Saitenlage am 12. Bund

Instrument Flache Saitenlage Mittlere Saitenlage Hohe Saitenlage
Klassikgitarre 2,8–3,2 mm 3,0–3,6 mm 3,2–4,0 mm
Westerngitarre 1,6–2,0 mm 1,8–2,4 mm 2,0–2,8 mm
Akustikbass 2,0–2,4 mm 2,4–2,8 mm 3,0–3,6 mm
Mandoline 1,2–1,6 mm 1,6–2,0 mm 2,0–2,4 mm

Bei diesen Angaben handelt es sich bewusst nur um Richtwerte. Je nach Instrument, Saitenstärke, Mensur, Stimmung und Spielweise können andere Werte sinnvoll sein. Auch der persönliche Anschlag spielt eine große Rolle: Ein kräftiger Anschlag benötigt mehr Schwingungsraum als ein sehr leichter Anschlag.

Bevor die Saitenlage verändert wird, sollte deshalb zunächst die Halskrümmung kontrolliert werden. Bei akustischen Gitarren sollte außerdem geprüft werden, ob die Höhe am Sattel und die Position beziehungsweise Höhe der Stegeinlage korrekt sind.

Wie wird die Saitenlage verändert?

Bei Gitarren mit einer herausnehmbaren Stegeinlage kann die Saitenlage grundsätzlich über deren Höhe beeinflusst werden. Eine zu hohe Saitenlage kann beispielsweise durch vorsichtiges Bearbeiten der Stegeinlage oder durch eine passendere Stegeinlage korrigiert werden.

Eine zu niedrige Saitenlage lässt sich dagegen nicht einfach durch „Höherdrehen“ des Steges beheben. Je nach Instrument kann eine höher ausgeführte Stegeinlage oder eine andere konstruktive Lösung notwendig sein.

Bei E-Gitarren sind häufig Brücke und einzelne Saitenreiter einstellbar. Dort kann die Saitenlage je nach Konstruktion vergleichsweise fein angepasst werden.

Material abtragen ist nicht rückgängig zu machen.

Besonders beim Abschleifen einer Stegeinlage oder beim Bearbeiten des Sattels sollte deshalb sehr vorsichtig gearbeitet werden. Wenn zu viel Material entfernt wurde, muss das betreffende Teil ersetzt oder aufwendig korrigiert werden.

Sattel richtig einstellen

Sehr wichtig für die ersten Lagen

Der Sattel sitzt am Übergang zwischen Griffbrett und Kopfplatte und bestimmt unter anderem die Höhe der Saiten über dem ersten Bund. Seine Einstellung hat deshalb großen Einfluss auf das Spielgefühl in den ersten Lagen und auf die Intonation.

Sind die Saiten in den Sattelkerben zu hoch, muss beim Greifen in den ersten Bünden unnötig viel Kraft aufgewendet werden. Außerdem wird die Saite beim Herunterdrücken stärker gedehnt, wodurch die gegriffenen Töne zu hoch ausfallen können.

Sind die Sattelkerben dagegen zu tief, kann die Saite bereits im offenen Zustand an den ersten Bundstäbchen anschlagen und dadurch schnarren.

Die Sattelkerben müssen außerdem zur jeweiligen Saitenstärke passen und sauber ausgearbeitet sein. Es geht daher nicht darum, dass alle Saiten exakt denselben Abstand zum Griffbrett besitzen. Entscheidend ist eine passende, sauber abgestufte Saitenlage, die zur Konstruktion und zur jeweiligen Saite passt.

Arbeiten am Sattel gehören zu den anspruchsvolleren Einstellarbeiten.

Eine zu tief gefeilter Sattelkerbe lässt sich nicht einfach wieder höher feilen. In diesem Fall kann eine Reparatur oder sogar ein neuer Sattel notwendig werden. Wer keine Erfahrung mit Sattelarbeiten besitzt, sollte diese Arbeit deshalb einem Gitarrenbauer oder qualifizierten Gitarrentechniker überlassen.

Saiten wechseln

Neue Saiten – neues Spielgefühl

Gitarrensaiten sind Verschleißteile. Mit zunehmender Spielzeit sammeln sich Schweiß, Hautfette und Schmutz auf der Oberfläche an. Bei umwickelten Saiten können sich Rückstände auch zwischen den Wicklungen sammeln. Dadurch können Klang, Ansprache und Spielgefühl nachlassen.

Einen festen Wechseltermin gibt es nicht. Wie lange ein Satz Saiten hält, hängt unter anderem von der Spielhäufigkeit, dem Saitentyp, dem Material, der Pflege und den individuellen Eigenschaften des Spielers ab.

Wer häufig spielt, wird die Saiten meist früher wechseln als jemand, der nur gelegentlich Gitarre spielt. Manche Musiker wechseln nach einem festen Zeitplan, andere orientieren sich hauptsächlich an Klang und Spielgefühl.

Wenn die Saiten noch klar klingen, die Stimmung zuverlässig halten und sich gut anfühlen, besteht nicht allein aufgrund ihres Alters zwingender Wechselbedarf. Umgekehrt kann ein Wechsel bereits sinnvoll sein, wenn Klang und Spielgefühl deutlich nachgelassen haben.

Neue Saiten können eine Neueinstellung erforderlich machen

Werden Saiten durch einen Satz mit deutlich anderer Saitenstärke oder einer anderen Konstruktion ersetzt, verändert sich auch der Saitenzug. Dadurch kann sich die Halskrümmung und in bestimmten Fällen auch die Saitenlage verändern.

Bei einem Wechsel auf eine deutlich andere Saitenstärke sollte deshalb kontrolliert werden, ob Halskrümmung, Saitenlage und gegebenenfalls Intonation weiterhin passen.

Stahl- oder Nylonsaiten?

Die Saiten müssen immer zum jeweiligen Instrument passen. Eine klassische Gitarre ist konstruktiv für Nylonsaiten beziehungsweise dafür vorgesehene synthetische Saiten ausgelegt, während Westerngitarren für Stahlsaiten konstruiert sind.

Klassikgitarre

Auf eine klassische Gitarre gehören grundsätzlich die dafür vorgesehenen Nylonsaiten beziehungsweise geeignete Saitensätze. Gewöhnliche Stahlsaiten besitzen einen deutlich anderen Saitenzug und können bei einem nicht dafür konstruierten Instrument zu Schäden führen.

Westerngitarre

Westerngitarren sind für Stahlsaiten konstruiert. Nylonsaiten erzeugen einen deutlich anderen Saitenzug und verändern dadurch Spielgefühl, Ansprache, Lautstärke und Klang. Sie sind deshalb kein gleichwertiger Ersatz für den vorgesehenen Stahlsaitensatz.

Immer passend auswählen

Entscheidend ist nicht nur „Stahl oder Nylon“, sondern auch die konkrete Saitenkonstruktion, Saitenstärke und Stimmung. Im Zweifel sollte man sich an die Empfehlungen des Gitarrenherstellers halten.

Ein kleiner Tipp für längere Saitenlebensdauer

Nach dem Spielen lohnt es sich, die Saiten mit einem weichen, trockenen Tuch abzuwischen. Dadurch werden Schweiß, Hautfette und andere Rückstände entfernt, die zur Verschmutzung und Korrosion beitragen können.

Gerade bei regelmäßig gespielten Instrumenten kann diese einfache Gewohnheit dazu beitragen, Klang und Spielgefühl länger zu erhalten. Bei beschichteten Saiten sollte darauf geachtet werden, nur für die jeweilige Beschichtung geeignete Pflegeprodukte zu verwenden.

Die richtige Reihenfolge beim Einstellen

Die einzelnen Einstellungen einer Gitarre hängen eng miteinander zusammen. Deshalb sollte man nicht einfach an irgendeinem Punkt beginnen, sondern systematisch vorgehen.

1. Saiten und Stimmung

Zuerst sollte klar sein, welcher Saitensatz verwendet wird und in welcher Stimmung das Instrument gespielt werden soll. Saitenstärke und Stimmung beeinflussen den Saitenzug.

2. Hals und Sattel

Anschließend werden Halskrümmung und Sattel kontrolliert. Beide beeinflussen die Saitenlage und das Spielgefühl maßgeblich.

3. Saitenlage und Intonation

Erst danach sollte die Saitenlage endgültig eingestellt werden. Bei Instrumenten mit einstellbarer Brücke wird anschließend – sofern erforderlich – auch die Intonation überprüft.

Eine gut eingestellte Gitarre entsteht durch das Zusammenspiel von: Saiten + Halskrümmung + Sattel + Saitenlage + Brücke/Steg + Intonation